• ELTERN WOLLEN INKLUSION

    Der Arbeitskreis Inklusion veranstaltet das erste Weinheimer Inklusionsforum

    Weinheim, 19. Oktober 2013, Rolf-Engelbrecht-Haus. Im Rahmen des Weinheimer Inklusionsforums wurden erstmals die Ergebnisse der Elternumfrage zur schulischen Inklusion vorgestellt. Diese wurde im Auftrag des Arbeitskreises Inklusion Weinheim (AKI) von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg im Juli diesen Jahres an 13 Grund- und 2 Sonderschulen im Raum Weinheim durchgeführt. Eltern stehen demnach der schulischen Inklusion grundsätzlich positiv gegenüber und sind bezogen auf die Fortsetzung in den weiterführenden Schulen weit weniger skeptisch eingestellt, als manch einer vermutet hat, dies auch aufgrund der positiven Erfahrungen aus den Grundschulen. „Die Elternumfrage birgt weniger Zündstoff als befürchtet, hingegen genügend Gesprächsstoff, um die Entwicklung der schulischen Inklusion positiv zu beeinflussen“, so Arnulf Amberg, Rektor der Maria-Montessori-Schule Weinheim und Sprecher des Arbeitskreis Inklusion Weinheim (AKI).

    Der AKI ist ein ehrenamtliches Gremium aus Rektoren, Lehrkräften, Eltern sowie Schul- und Leistungsträgern, gegründet vor zwei Jahren mit dem Ziel, die Belange der Inklusion in Weinheim im Blick zu haben und Impulse für die Weiterentwicklung zu geben. Dies war auch Ziel des 1. Weinheimer Inklusionsforums im Rolf-Engelbrecht-Haus. Auf Einladung des AKI kamen Rektoren und Lehrkräfte aus Weinheimer Schulen sowie Vertreter des Gesamtelternbeirats, Vertreter von Elterninitiativen sowie Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirats und Vertreter der Stadt Weinheim. Die Veranstalter zeigten sich erfreut über die gute Resonanz und werteten dies als Zeichen, dass der AKI als gestaltende Kraft für die Inklusion in Weinheim inzwischen eine große Akzeptanz erfährt.

    Zu Beginn der Veranstaltung setzte Frau Annette Trube, stellvertretende Sprecherin des AKI und seit Jahren „inklusionsaktive“ Mutter, ein Ausrufezeichen, indem sie die große Bereitschaft und das fachliche Können der Lehrkräfte in der Inklusion herausstellte und im Namen der Eltern für das Engagement der Lehrkräfte und Schulleitungen dankte. Sie wies ebenso deutlich darauf hin, dass es andererseits noch viele Belastungssituationen und Schwierigkeiten in der Inklusion gibt, die es zu überwinden gilt.

    Dem nachfolgend verglich Arnulf Amberg den Stand der schulischen Inklusion mit einem kleinen Kind, dass noch einige Jahre lang besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge braucht, bevor es ein „(Selbst)-läufer“ werden kann. In einem Überblick über den Stand schulischer Inklusion im Raum Weinheim zeigte Amberg auf, dass die Umsetzung im Raum Weinheim in den letzten drei Jahren schon deutlich vorangeschritten ist. Von Laudenbach bis Hirschberg gibt es inzwischen in 14 Grundschulen, drei Werkrealschulen und zwei Realschulen inklusive Klassen, also Klassen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Damit ist die Inklusion im Raum Weinheim mit Ausnahme der Gymnasien bei jeder Schulart angekommen. Beachtlich ist dabei die Entwicklung der inklusiven Bildungsangebote seit Einführung im Schuljahr 2011/12. Waren es damals erst 23 Schüler, so waren es 2012/13 schon 56 und aktuell sind es bereits 100 Schüler, die in inklusiven Settings beschult werden. Die Anzahl der Schüler in der Inklusion steigt also stetig an und hat sich von Jahr zu Jahr nahezu verdoppelt. Aus dieser Entwicklung lässt sich prognostizieren, dass spätestens ab dem Schuljahr 2015/16 die weiterführenden Schulen verstärkt zu Standorten inklusiver Bildungsangebote werden. Insofern mahnt der Arbeitskreis Inklusion „schon jetzt die Weichen zu stellen“, wie Amberg bei seinen Ausführungen betonte.

    In ähnlicher Weise appellierte Frau Treiber, Schulrätin im Staatlichen Schulamt Mannheim und Leiterin der Arbeitsstelle Kooperation, an die Weinheimer Schulen, dass die Umsetzung der schulischen Inklusion „eine Aufgabe aller Schulen“ ist. Sie referierte über die Rahmenbedingungen von Inklusion, den Planungsstand bzgl. des neuen Schulgesetzes und die daraus resultierenden Umsetzungsformen. Sie betonte zusammenfassend, dass es vor allen Dingen „eine Kultur des Ermöglichen“ braucht, damit Inklusion gelingen kann.

    Frau Keuthen-Brandt, Rektorin der Grundschule Lützelsachsen, gab einen Einblick in die Arbeit der Inklusionsklasse, die sich inzwischen schon im dritten Schuljahr befindet. Sie zeigte anschaulich, wie sich ihre Schule im konkreten Tun weiterentwickelt und betonte, dass der Gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung von Beginn an eine Bereicherung für ihre Grundschule darstellt. Hierdurch hat sich Einiges verändert, allem voran wurde durch die Inklusionsklasse eine neue Unterrichtskultur etabliert, die sicherstellt, dass jedes Kind, egal ob behindert oder nicht behindert, hoch- oder minderbegabt, ein selbstverständlicher Teil der heterogenen Lerngruppe ist und angemessene Lernangebote erhält. Den einzelnen Schüler in den Blick nehmen, gleichermaßen fördern und fordern und dennoch das soziale Miteinander als Bereicherung erkennen, das ist das Credo eines inklusiven Unterrichts. „In der Inklusionsklasse nehmen sich die Lehrkräfte mehr Zeit für die Klassengemeinschaft“, so Frau Keuthen-Brand, die sich inzwischen nicht mehr darüber wundert, dass die Inklusionsklasse in einem kreativen Verständnis von Unterricht häufig sowohl den Flur als auch den Pausenhof für das Lernen nutzt. Schließlich lud die Grundschulrektorin die aufmerksamen Tagungsteilnehmer zu sich in die Schule ein, um Inklusion hautnah erleben zu können, denn erst dann werde wirklich nachvollziehbar, wie es funktioniert.

    Was sagen eigentlich die Eltern zur schulischen Inklusion? „Es ist eine einfache Frage und dennoch wurde sie bisher noch nie ernsthaft formuliert und wissenschaftlich untersucht“, so Herr Prof. Dr. Theo Klauß von der pädagogischen Hochschule Heidelberg gleich zu Beginn der Präsentation der Forschungsergebnisse. Insofern sei diese Elternumfrage tatsächlich eine Premiere. Das ist erstaunlich, da doch gerade Eltern direkt beteiligte Personen sind, die durchaus Einblicke haben und unmittelbare Erfahrungen sammeln. Insofern ist es doch naheliegend, diese direkt in die Prozesse der Weiterentwicklung der schulischen Inklusion mit ein zu beziehen. Das waren auch die Ausgangsüberlegungen des AKI, die dazu geführt haben, eine ebensolche Befragung durchführen zu lassen.

    Besonders hervorzuheben ist die hohe Beteiligung der Elternschaft an der Umfrage. Fast die Hälfte aller Fragebögen kam ausgefüllt zurück – eine im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Studien äußerst hohe Rücklaufquote, die „eine besonders reichen Schatz an Erkenntnissen verspricht“, so Herr Prof. Dr. Theo Klauß hocherfreut. Es sei offensichtlich, dass der AKI mit der Umfrage die Bedürfnislage der Eltern und deren Interesse erkannt hat, sich näher mit dem Thema der schulischen Inklusion auseinanderzusetzen.

    In seiner 90-minütigen Präsentation der Auswertung von Masterstudentin Cornelia Kraut zeigte Herr Prof. Dr. Klauß ein differenziertes Bild der Themen und Fragestellungen, die die Eltern in Bezug auf die Inklusion in der Schule beschäftigen und auf die es in Zukunft Antworten zu finden gilt. Sein Fazit: „Insgesamt zeichnen die Eltern in der Befragung von 985 Müttern und Vätern von Grundschulkindern in Weinheim und Umgebung ein positives Bild von den schulischen Angeboten für ihre Kinder insgesamt – und ein noch positiveres, wenn es um inklusive Klassen und die Einbeziehung von Kindern mit Förderbedarf geht. Die allgemeine Einstellung zur Inklusion ist von Zustimmung geprägt, und mehrheitlich möchten die Eltern ihre Kinder auch nach der Grundschulzeit inklusiv beschulen. Dies gilt jedoch natürlich nicht für alle Eltern – zumal nicht für die Hälfte, die sich nicht an der Erhebung beteiligt hat – und unübersehbar sind auch Bedenken, die sich darauf beziehen, dass das Gelingen der Inklusion durch mangelnde Ressourcen, durch zu große Belastung der LehrerInnen, und durch eine Begrenzung auf bestimmte Gruppen von Kindern begrenzt sein könnte, wenn es um weiterführende Schulen geht. Auch der Informationsbedarf vor allem der Eltern, die bisher keine Berührung mit inklusivem Unterricht hatten, ist erkennbar.“

    Mit diesem deutlichen Votum gestärkt gingen die Teilnehmer der Inklusionstagung in die nachmittäglichen Arbeitsgruppen. In diesen wurden Impulse formuliert, die als Ausrufezeichen für die Weiterentwicklung der Inklusion den Schulen und Schulträgern, den Eltern und Schülern im Raum Weinheim zur Verfügung gestellt werden sollen. Hierzu lädt der AKI am 26.11.2013, um 19 Uhr zu einer Nachlese der Veranstaltung in die Maria-Montessori-Schule Weinheim ein.

    Die ausführlichen Forschungsergebnisse finden Sie im Anhang im Kurzbericht von Herrn Prof. Dr. Theo Klauss. Für Fragen zur Elternumfrage steht er unter seiner E-Mail-Adresse: theo.klauss@urz.uni-heidelberg.de zur Verfügung.

    Fragen zur Veranstaltung beantworten Ihnen Arnulf Amberg A.D.Amberg@gmx.de
    oder Annette Trube atrube@web.de .

     

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